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Andrena florea

Fabricius 1793

Zaunrüben-Sandbiene

male Andrena florea, Männchen

male Andrena florea, Weibchen.

9–13 mm. Männchen oft mit roten Tergiten 1 und 2; wenn an Zaunrübe, dann einigermaßen gut zu erkennen, da kaum Männchen anderer Andrena-Arten hier anzutreffen sind. Weibchen im Gesicht seitlich und auf den Tergitscheiben 3–5 schwarz. Endfranse schwarz. Schienenbürste oben schwarzbraun, unten gelblichweiß. Tergite 1 und 2 oft rot. Bei Beachtung des speziellen Blütenbesuchs gut zu bestimmen.

Andrena florea

Andrena florea, Männchen.

Andrena florea

Andrena florea, Weibchen.

Verbreitung

In Deutschland in den südlichen Regionen weit verbreitet und mäßig häufig; vereinzelt auch im Norddeutschen Tiefland, hier sich nach Norden hin ausbreitend (Witt 2017).

Lebensraum

Nur dort, wo die Zaunrübe regelmäßig blüht: Weinberge, Waldränder, Feldhecken, Ruderalstellen, Dörfer und Städte (Gärten, Parks). Nester bevorzugt auf vegetationsfreien oder nur schütter bewachsenen horizontalen oder schwach geneigten Flächen (Erdwege, Plätze, Lehmhaufen), auf sandigem wie lehmigem Untergrund. Durch Begehen oder Befahren verdichtete Stellen werden bevorzugt.

Siedlungsraum

Wenn mitten in der Stadt an Hecken die Rotfrüchtige Zaunrübe blüht, ist oft auch Andrena florea anzutreffen. [Für Großansicht auf Bild klicken]

  • Wiese
    Ein blühendes Exemplar des Gemeinen Spargels (Asparagus officinalis) auf einer Böschung im Kaiserstuhl (20. Mai 2020).

Nistweise

Nistet in selbstgegrabenen Hohlräumen in der Erde, in kleinen Kolonien von bis zu 100 Nestern. Die Nester bleiben während der Versorgungsphase offen und werden nur in den heißen Mittagsstunden geschlossen. Die Brutzellen liegen 5–10 cm tief. Ihre Wandung ist mit kleinen Tröpfchen (Nektar ?) versehen. (Malyshev 1926, 1936, Westrich 1989, 2019)

Bolzplatz

Dort, wo vor dem Tor eines kleinen Bolzplatzes im Alten Botanischen Garten in Tübingen die Vegetation durch das gelegentliche Spielen fehlt, befand sich noch in den 1980er Jahren eine kleine Kolonie von Andrena florea. Durch Bepflanzen wurde dieser Nistplatz zerstört.

Nistplatz

Als Nistplatz bevorzugt werden durch regelmäßiges Begehen oder Befahren vegetationsfreie Flächen (Botanischer Garten Tübingen, Mai 2008).

Crioceris

Brutzelle von Andrena florea mit Pollenballen und Ei. Beachte die Tröpfchen auf der Zellwandung. .

Andrena florea

Ein Weibchen kommt mit Pollen angeflogen und schwebt kurz über dem Nistplatz, um sich zu orientieren.

Andrena florea

Das Weibchen beseitigt die Erde, mit der der Nesteingang verschüttet war, und kriecht dann in das Nest , um den Pollen abzuladen.

  • Andrena florea
    Ein Weibchen kommt mit Pollen angeflogen und schwebt kurz über dem Nistplatz, um sich zu orientieren.
  • Andrena florea
    Das Weibchen beseitigt die Erde, mit der der Nesteingang verschüttet war, und kriecht dann in das Nest , um den Pollen abzuladen.

Blütenbesuch

Oligolektische, auf Bryonia (Cucurbitaceae) spezialisierte Art (vgl. Dingemans-Bakels 1972). Die ausschließlichen Pollenquellen sind die Zweihäusige oder Rotfrüchtige Zaunrübe (Bryonia dioica) und die Weiße Zaunrübe (Bryonia alba). Die beiden Bryonia-Arten, die auch von den Männchen fast ausschließlich besucht werden, bieten beiden Geschlechtern Nektar. Bei Bryonia dioica dienen wegen deren Zweihäusigkeit nur die männlichen Pflanzen  als Pollenquellen; die weiblichen Exemplare werden aber als Nektarquelle genutzt. Das Pollensammeln erfolgt vor allem in den Morgenstunden (Schröder & Lunau 2001a, b). Es gibt Hinweise, daß in Südeuropa auch die Spritzgurke (Ecballium elaterium) als Pollenquelle dient. – Beide Geschlechter schlafen auch in den Blüten der Zaunrübe.

Andrena florea, Männchen trinkt Nektar in der Blüte einer weiblichen Pflanze von Bryonia dioica.

In einer männlichen Blüte von Bryonia dioica schlafendes Männchen von Andrena florea.

Andrena florea, Männchen auf einer männlichen Blüte von Bryonia dioica.

Ein Weibchen von Andrena florea trinkt Nektar in einer männlichen Blüte von Bryonia dioica. Die Transporteinrichtungen sind noch ohne Pollenladungen.

Der intensiv gelbe Zaunrüben-Pollen zeigt, daß dieser nicht nur in der Schienenbürste, sondern auch in Haarlocken am Trochanter gespeichert wird.

Ein Weibchen von Andrena florea hat schon reichlich Pollen an Bryonia dioica gesammelt.

  • Andrena florea
    Andrena florea, Männchen trinkt Nektar in der Blüte einer weiblichen Pflanze von Bryonia dioica.
  • Andrena florea
    In einer männlichen Blüte von Bryonia dioica schlafendes Männchen von Andrena florea.
  • Andrena florea
    Andrena florea, Männchen auf einer männlichen Blüte von Bryonia dioica.
  • Andrena florea
    Ein Weibchen von Andrena florea trinkt Nektar in einer männlichen Blüte von Bryonia dioica. Die Transporteinrichtungen sind noch ohne Pollenladungen.
  • Andrena florea
    Der intensiv gelben Zaunrüben-Pollen zeigt, daß dieser nicht nur in der Schienenbürste, sondern auch in Haarlocken am Trochanter gespeichert wird.
  • Andrena florea
    Ein Weibchen von Andrena florea hat schon reichlich Pollen an Bryonia dioica gesammelt.

video Das folgende kurze Video (17 sec, 65 MB) zeigt das Pollensammeln von Andrena florea an den Blüten eines männlichen Exemplars der Zweihäusigen Zaunrübe (Bryonia dioica). Deutlich sichtbar ist der sonnengelbe Pollen in den Transporteinrichtungen. Das Video kann auch im Vollbildmodus abgespielt werden.

Kuckucksbienen

Offenbar hat sich keine der zahlreichen Kuckucksbienenarten an Andrena florea als Wirt angepaßt. Über Jahre hinweg konnte ich an den von mir aufgefundenen Nestern nie eine Kuckucksbiene beobachten.

Phänologie

Univoltin. Hauptflugzeit von Ende Mai bis Ende Juli. In manchen Jahren bereits in der ersten Mai-Woche erscheinend und einzelne Weibchen noch im August.

Gefährdung und Schutz

Derzeit ist die Art in ihrem heimischen Bestand nicht gefährdet. Schon durch die Duldung von Zaunrüben im Siedlungsraum kann die Art gut gefördert werden, wie eine Erhebung im Jahr 2019 gezeigt hat, die später in Eucera 14 veröffentlicht wurde.

Literatur

Dingemans-Bakels, F. N. (1972): The pollen-collecting activities of some Andrenid bees. – Zool. Mededelingen, 47: 465–467; Leiden.
Malyshev, S. I. (1926): The nesting habits of Andrena F. (Hymenoptera, Apoidea). – Trav. Natural. Leningrad, Sec. Zool. Physiol. 56 (2): 25–78.
Malyshev, S. I. (1936): The nesting habits of solitary bees. – Eos, 11: 201–309.
Schröder, S. & Lunau, K. (2001a): Die Bestäubung der Zaunrübe Bryonia dioica durch die oligolektische Sandbiene Andrena florea (Hymenoptera) – Schnittstelle zweier Fortpflanzungssysteme. – Verh. west-dtsch. Entomologentag 2000: 75–80; Düsseldorf.
Schröder, S. & Lunau, K. (2001b): Die oligolektische Sandbiene Andrena florea und die Rote Zaunrübe Bryonia dioica – Schnittstelle zweier spezialisierter Fortpflanzungssysteme. – Mitt. dtsch. Ges. Allg. Angew. Ent. 13: 529–533.
Westrich, P. (1989): Die Wildbienen Baden-Württembergs. 2 Bände, 972 S., 496 Farbfotos; Stuttgart (E. Ulmer). [1990 2., verb. Auflage].
Westrich, P. (2019): Die Wildbienen Deutschlands.– 2., aktualisierte Auflage, 824 S., 1700 Farbfotos. Stuttgart (E. Ulmer).
Witt, R. (2017a): Bemerkenswerte Stechimmenfunde aus Niedersachsen (Hymenoptera: Aculeata). – Ampulex 9: 36–38.

Andrena florea