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Pollensammeln: Polylektie

Definition: Arten, deren Weibchen sich beim Pollensammeln »opportunistisch« verhalten, also das jeweils vorhandene Blütenangebot in vielfältiger Weise nutzen, bezeichnet man als polylektisch.

Polylektische Arten kann man auch als Pollengeneralisten bezeichnen. Polylektie bedeutet aber nicht, daß die Blüten nach dem Zufallsprinzip aufgesucht werden. Auch polylektische Arten können Bevorzugungen bestimmter Pflanzen(gruppen) zeigen, andere hingegen völlig meiden, auch wenn diese im Überangebot vorhanden sind.

Die bekannteste und am ausgeprägtesten polylektische Biene ist die Honigbiene. Im Vergleich zu diesem »Super-Generalisten« müßten fast alle anderen Bienen als mehr oder weniger oligolektisch bezeichnet werden. Da sie aber nicht als Maßstab für das Blütenbesuchsverhalten von Bienen gelten kann, wollen wir bei der gegebenen Definition von Oligolektie bleiben. Eusoziale Bienen wie die Hummeln und einige Arten der Gattungen Halictus und Lasioglossum sind durchweg polylektisch. Oligolektie kommt bei mitteleuropäischen staatenbildenden Arten nur einmal vor und zwar bei dem in den Alpen verbreiteten Bombus gerstaeckeri, eine an Eisenhut (Aconitum) gebundene Hummelart.

Lasioglossum albocinctum

Die in Deutschland nur im Kaiserstuhl vorkommende Schmalbienenart Lasioglossum albocinctum ist polylektisch. Das Foto zeigt ein Weibchen, das bereits morgens um 6.00 Uhr am Gewöhnlichen Sonnenröschen (Helianthemum nummularium) Pollen sammelt. Das Sonnenröschen gehört zur Familie der Zistrosengewächse (Cistaceae).


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Ein Weibchen der polylektischen Gewöhnlichen Sandbiene (Andrena flavipes) sammelt Pollen von den Blüten unterschiedlicher Pflanzenfamilien: Kreuzblütengewächse (Brassicaceae), Schmetterlingsblütler (Fabaceae), Korbblütler (Asteraceae), Lippenblütler (Lamiaceae), Rosengewächse (Rosaceae).

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Ein Weibchen der polylektischen Rotfransigen Sandbiene (Andrena haemorrhoa) sammelt ebenfalls Pollen von den Blüten mehrerer Pflanzenfamilien: Korbblütler (Asteraceae), Rosengewächse (Rosaceae), Doldenblütler (Apiaceae), Kreuzblütengewächse (Brassicaceae), Resedengewäche (Resedaceae).


Bei Bienen reicht das Spektrum von strenger Oligolektie bis hin zu ausgesprochener Polylektie, was die Ziehung einer klaren Trennlinie zwischen Polylektie und Oligolektie manchmal erschwert (siehe nachstehende Tabelle mit der Unterscheidung zwischen drei Typen). Wenn an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten (Tages-)Zeit nur eine oder wenige Pflanzenarten blühen und daher das Angebot an Pollenquellen eingeschränkt ist, können die Weibchen einer sonst polylektischen Art dem Beobachter lokal Oligolektie vortäuschen. Daher müssen Untersuchungen zur Oligolektie möglichst viele, über das Gesamtverbreitungsgebiet einer Art verteilte Beobachtungsorte berücksichtigen.

Staatenbildende Bienen wie die Honigbienen (Apis) und die Hummeln (Bombus) sowie manche Lasioglossum-Arten sind durchweg polylektisch. Während solitäre Bienen nur eine relativ kurze Flugzeit (4–12 Wochen) besitzen und von daher eine Bindung an eine oder wenige Pollenquellen sinnvoll sein kann, leben Kolonien sozialer Arten wesentlich länger. Ihre Flugzeit entspricht demnach nicht der Blühdauer einer als Pollenquelle genutzten Pflanzenart. Soziale Arten können sich daher Oligolektie nicht »leisten«.

Apis mellifera

Die bekannteste polylektische Biene ist die Honigbiene (Apis mellifera). Sie ist sozusagen ein »Super-Generalist« und kann nicht als Maßstab für das Blütenbesuchsverhalten von Bienen in ihrer Gesamtheit gelten. Hier sammelt eine Arbeiterin Pollen im Blütenstand einer Edelkastanie (Castanea sativa), die zur Familie der Buchengewächse (Fagaceae) gehört.

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Unter den Wildbienen gibt es ausgesprochene Pollengeneralisten wie z.B. die Rostrote Mauerbiene, Osmia bicornis, von der Vertreter von 18 Pflanzenfamilien als Pollenquellen belegt sind oder die Gewöhnliche Sandbiene, Andrena flavipes, von der bisher Vertreter von 17 Pflanzenfamilien als Pollenquellen bekannt wurden oder die Sandbienenart Andrena haemorrhoa (15 Pflanzenfamilien) (siehe Galerien weiter oben). Auf alle nestbauenden Bienen bezogen überwiegt der Anteil der polylektischen Arten gegenüber den oligolektischen.

Lasioglossum albocinctum

Zwei Brutzellen der Rostroten Mauerbiene (Osmia bicornis). Der Larvenproviant der linken Zelle besteht aus dem hellgelben Pollen einer Heckenrose (Rosa hugonis) und dem dunkelgelben Pollen von Hahnenfuß (Ranunculus), Vertreter zweier Pflanzenfamilien.

Lasioglossum albocinctum

Der Larvenproviant der zweiten Zelle setzt sich aus dem Pollen von folgenden Vertretern von fünf Pflanzenfamilien zusammen: Saat-Mohn (Papaver dubium), Zaunwicke (Vicia sepium), Kriechender Hahnenfuß (Ranunculus repens), Gewöhnlicher Beinwell (Symphytum officinale), Wiesen-Salbei (Salvia pratensis). Der hohe Anteil von Mohnpollen ist für die dunkle Farbe des Proviants verantwortlich. Die Pollenherkunft wurde mit Hilfe der lichtmikroskopischen Pollenanalyse ermittelt.

 

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