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Blütenbesuch der Weibchen

Weibchen besuchen Blüten zur Eigenversorgung

Bei Weibchen muß zwischen Blütenbesuchen zur Eigenversorgung und solchen im Zusammenhang mit Brutfürsorgehandlungen unterschieden werden.

Zum Nektarsaugen können von den Weibchen auch die Blüten solcher Pflanzenarten aufgesucht werden, in denen sie nie Pollen sammeln. Dies ist insbesondere in der Zeit vor der Verproviantierung der ersten Brutzelle zu beobachten, oder wenn die artspezifischen Pollenquellen noch nicht aufgeblüht sind oder zwischen den Pollenquellen und dem Nest weite Strecken zurückzulegen sind, außerdem beim Sammeln an Pollenblumen (Ononis, Papaver). Die Nektarwirte der meisten Bienenarten dürften daher austauschbar sein. Pollenfressen als Proteinquelle zur Eireifung wurde in einigen Fällen belegt und ist generell bei allen solitären und sozialen Arten zu vermuten.

Halictus pollinosus Weibchen

Ein Weibchen von Halictus pollinosus (»Puder-Furchenbiene«), das durch seine dichte, wie bestäubt wirkende Behaarung unverkennbar ist, verköstigt sich mit Nektar in einem Köpfchen der Nickenden Distel (Carduus nutans).


Andrena haemorrhoa

Gleich nachdem ein Weibchen der Sandbienenart Andrena haemorrhoa nach dem Schlüpfen zum ersten Mal eine Blüte besucht hat, hier von Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis), wurde es vom Männchen begattet.

Partnerfindung und Paarung beim Blütenbesuch

Bei einigen spezialisierten Arten erfolgt die Partnerfindung und Kopula beim Blütenbesuch (siehe bei den Männchen).


Blüten werden zum Schlafen und zum Schutz aufgesucht

Auch von den Weibchen werden Blüten zum Schlafen und als Schutzraum genutzt (siehe bei den Männchen).

Macropis fulvipes

Ein Weibchen der Wald-Schenkelbiene (Macropis fulvipes) schläft in der Blüte des Punkt-Gilbweiderichs (Lysimachia punctata).


Osmia papaveris

Ein Weibchen der Mohn-Mauerbiene (Osmia papaveris) hat soeben ein Stück eines Blütenblatts des Klatschmohns (Papaver rhoeas) mit seinen Mandibeln (Oberkiefern) ausgeschnitten und bringt dieses dieses Baumaterial als kleines Päckchen im Flug zum Nistplatz in einem nahe gelegenen Feldweg.

Dort wird das Blattstück in einem vorher in die Erde gegrabenen Hohlraum wieder entfaltet. Damit werden dann die Brutzelle und der zur Zelle führende Gang austapeziert und dann die Zelle mit Larvenproviant versorgt, auf den ein Ei abgelegt wird (rechtes Bild).

Weibchen nutzen Blüten zur Gewinnung von Nestbaumaterial

Die Weibchen mehrerer Arten der Mauerbienen (Osmia) und Blattschneiderbienen (Megachile) verwenden von ihnen selbst mit den Mandibeln (Oberkiefern) ausgeschnittene Stücke von Blütenblättern verschiedener Pflanzen, z.B. von Mohn (Papaver), Malven (Malva), Sonnenröschen (Helianthemum), Lein (Linum), zur Auskleidung der Brutzellen.


Weibchen suchen Blüten zum Sammeln von Larvenproviant auf

Nektarsammelbesuche sind oft kaum von denen zur Eigenversorung zu trennen und äußerst schwer zu quantifizieren. Der Anteil des Nektars am Larvenfutter kann selbst innerhalb einer Bienengattung, z.B. Osmia sehr unterschiedlich sein. Das Nektarsammeln kann zugleich mit dem Pollensammeln an denselben Futterpflanzen erfolgen, seltener werden getrennte Pollen- und Nektarsammelflüge ausgeführt (z.B. Osmia niveata nach einer Beobachtung von Westerkamp 1978). Pollen- und Nektarsammeln kann auch auf ein und demselben Ausflug an verschiedenen Pflanzenarten stattfinden, besonders dann, wenn die Pollenquellen keinen Nektar bieten. So beobachtete ich z.B. die Wollbiene Anthidium manicatum zunächst beim Pollensammeln an der nektarlosen Hauhechel (Ononis), später reichlich nektarsaugend an Woll-Ziest (Stachys byzantina).

Lasioglossum elegans - Weibchen an Salvia verticillata

Ein Weibchen der extrem seltenen, in Österreich und in der Schweiz, nicht jedoch in Deutschland vorkommenden Schmalbienenart Lasioglossum elegans sammelt kopfüber in einer Blüte des Quirlblättrigen Salbeis (Salvia verticillata) den leuchten gelben Pollen. Der Pollen wird dabei aus den Staubbeuteln mit den Mandibeln herausgeklaubt und anschließend in die Transporteinrichtungen der Hinterbeine und des Abdomens umgelagert. Danach dreht sich das Tier um und saugt in »normaler« Körperhaltung Nektar.

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