Scroll To Top
logo

Osmia caerulescens

(Linnaeus 1758)

Stahlblaue Mauerbiene

Synonym: Osmia aenea (Linnaeus 1761)

male Osmia caerulescens - Männchen.
Die Männchen dieser Art haben im Gegensatz zu den Weibchen einen eherkupfer- bis bronzefarbenen Körper und sind fuchsrot behaart. Bei sonnigem Wetterkontrollieren sie ständig die Nisthilfen, stets in Erwartung eines schlüpfendenWeibchens. Sie sind meist kleiner und wirken weniger dicht behaart als die gleichzeitigfliegenden Männchen von Osmia brevicornis. Komplexaugen grün. Der Endrand des 6. Segments ist in der Mitte schwach ausgeschnitten und deutlich krenuliert. Größe: 8–9 mm.

male Osmia caerulescens - Weibchen.
Das Weibchen hat eine metallisch schimmernde, stahlblaue Farbe. Der herzförmige Raum (abfallender Teil des Mesonotums) ist poliert. Größe: 9–10 mm.

  • s-01
    male Osmia caerulescens - Männchen
  • s-02
    male Osmia caerulescens - Weibchen

Osmia caerulesencs - Männchen frontal

Osmia caerulesencs - Weibchen

Verbreitung

Ganz Europa mit Ausnahme des hohen Nordens. In den Alpen bis 1900 m. – In ganz Deutschland. Vor allem in Lagen unter 500 m weit verbreitet.

Lebensraum

Waldränder, Waldlichtungen, Streuobstwiesen, ausgedehnte Weinbergbrachen, aufgelassene Steinbrüche, regelmäßig im Siedlungsbereich (synanthrope Art). Als Nistplätze dienen Baumstrünke, abgestorbene Äste, Brombeerhecken, Felswände, Löß- und Lehmwände, Trockenmauern, Reetdächer oder Hauswände.

Nistweise

Nistet in vorhandenen Hohlräumen verschiedenster Art: Fraßgänge in altem Holz; verlassene Nester von Pelzbienen (Anthophora) in Steilwänden oder in der Erde; sonstige Hohlräume in Löß- und Lehmwänden, in Gestein und in Pflanzenstengeln. Besiedelt auch Nisthilfen, z.B. Bohrungen in Holz, Bambusrohr, Schilfstengel, Papphülsen (Innendurchmesser 4–5 mm). Die Nester sind Linienbauten und enthalten 1–7 Brutzellen. Baumaterial für Zellzwischenwände und Nestverschluß ist Pflanzenmörtel aus zerkauten Teilen verschiedener Pflanzen, z.B. Laubblätter von Schwarzerle (Alnus glutinosa), Herzgespann (Leonurus cardiaca), Esparsette (Onobrychis), Luzerne (Medicago sativa) oder Hornklee (Lotus), außerdem Blüten- und Laubblätter von Moschus-Malve (Malva moschata) und Mohn (Papaver). Alte Nester werden wieder benützt.

Ein Weibchen ist vor seinem Nest im Bambusröhrchen gelandet.

Das mit Pollen in der Bauchbürste beladene Weibchen schlüpft in sein Nest zur Verproviantierung der Brutzelle.

Das Weibchen verläßt sein Nest, um den nächsten Sammelflug zu starten.

Osmia caerulescens Nest

Osmia caerulescens Brutzelle mit Larve

Die Larve hat schon einen Teil des Proviants gefressen.


Osmia caerulescens Kokon

Das Futter ist verzehrt und die Larve hat sich in einem leicht durchscheinenden Kokon eingesponnen.


Osmia caerulescens Puppe

Puppe im geöffneten Kokon.


Osmia caerulescens Nestverschluß

Nestverschluß aus zerkautem Blattmaterial (Pflanzenmörtel).

Blütenbesuch

Polylektische Art, von Vertretet von 7 Pflanzenfamilien als Pollenquellen bekannt wurden. Fabaceae und Lamiaceae werden deutlich bevorzugt. Außerdem sind Asteraceae und Brassicaceae ohne Kenntnis der jeweiligen Art durch Pollenanalysen belegt.

Pollenquellen:

  • Asteraceae
  • Pflanzenart unbekannt
  • Boraginaceae
  • Gewöhnlicher Natterkopf (Echium vulgare)
  • Brassicaceae
  • Pflanzenart unbekannt
  • Fabaceae
  • Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus)
  • Weißklee (Trifolium repens)
  • Roter Wiesenklee (Trifolium pratense)
  • Luzerne (Medicago sativa)
  • Weißer Steinklee (Melilotus alba)
  • Futter- Esparsette (Onobrychis viciifolia)
  • Zaun-Wicke (Vicia sepium)
  • Vogel-Wicke (Vicia cracca)
  • Bunte Kronwicke (Coronilla varia)
  • Hypericaceae
  • Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum)
  • Lamiaceae
  • Wiesen-Salbei (Salvia pratensis)
  • Gundermann (Glechoma hederacea)
  • Kriechender Günsel (Ajuga reptans)
  • Weiße Taubnessel (Lamium album)
  • Rote Taubnessel (Lamium purpureum)
  • Kleine Brunelle (Prunella vulgaris)
  • Aufrechter Ziest (Stachys recta)
  • Wirbeldost (Clinopodium vulgare)
  • Salbei-Gamander (Teucrium scorodonia)
  • Ranunculaceae
  • Scharfer Hahnenfuß (Ranunculus acris)
  • Kriechender Hahnenfuß (Ranunculus repens)

Osmia caerulescens Weibchen an Stachys sylvatica

Ein Weibchen sammelt Pollen von einer Blüte des Wald-Ziests (Stachys sylvatica). Beachte die Pollenernte mit dem Vorderkopf.

Großformatige Bildergalerie zum Blütenbesuch starten

[Bilder werden erst beim Start geladen.]

Gegenspieler

Unter den Kuckucksbienen Stelis ornatula. Regelmäßiger Futterparasit ist auch die Keulhornwespe Sapyga quinquepunctata.

Phänologie

Partiell bivoltin. Die erste Generation fliegt von Mai bis Mitte Juli, eine partielle zweite, weniger produktive Generation von Anfang Juli bis Mitte August. (1987 konnte ich noch am 10. Oktober ein bauendes Weibchen beobachten.) Überwinterung als Imago im Kokon.

Gefährdung und Schutz

Die auch in Dörfern und Städten regelmäßig vorkommende Art ist nach wie vor nicht selten und nicht gefährdet. Im Garten und auf dem Balkon läßt sie sich durch Anbieten entsprechender Nisthilfen ansiedeln.

Osmia caerulescens