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Eucera nigrescens

Pérez 1879

Mai-Langhornbiene

male Eucera nigrescens - Männchen. 12–15 mm. Labrum und Clypeus ganz gelb. Thorax oben und unten braungelb behaart. Mesonotum wie beim Weibchen matt und nur zerstreut punktiert.

male Eucera nigrescens - Weibchen.13–15 mm. Das Mesonotum ist ganz matt, die einzelnen Punkte grob, sehr flach und zerstreut. Segment 1 und 2 sind im frischem Zustand dicht gelblich behaart, die Seitenflecken des 2. Segmentes verwaschen.

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    male Eucera nigrescens - Männchen
  • s-02
    male Eucera nigrescens - Weibchen

Der wissenschaftliche Gattungsname Eucera geht auf die beiden griechischen Wörter eu = gut und cera = Hörner zurück, die sich auf die langen Fühler (= Antennen) der Männchen beziehen. Bei vielen Arten der Gattung Eucera sind die Fühler oft länger als der Körper und geben den Bienen vor allem beim Flug ein eigentümliches Aussehen.

Der deutsche Name Mai-Langhornbiene für die hier dargestellte Art stammt aus meiner »Feder«. Ich habe ihn 1984 erstmals in der Roten Liste der Stechimmen Baden-Württembergs verwendet. Er bezieht sich auf den Monat Mai als Hauptflugzeit der Art. Entsprechend gebildet wurde der deutsche Name der nächstverwandten Art Eucera longicornis (Juni-Langhornbiene). In neueren Publikationen anderer Autoren werden diese Namen auch verwendet, ohne jedoch ihre Herkunft anzugeben.

Verbreitung

Süd- und Mitteleuropa; im Westen bis England. – In Deutschland keine Verbreitungsgrenze, daher auch im Norden; mit Ausnahme von Schleswig-Holstein in allen Bundesländern nachgewiesen. Österreich, Schweiz. Im allgemeinen weit verbreitet in Lagen unter 500 m, nur vereinzelt auch in Lagen zwischen 500 und 800 m (Schwäbische Alb, Schwarzwald).

Lebensraum

In erster Linie dort anzutreffen, wo es reiche Bestände der Zaun-Wicke (Vicia sepium) gibt. Der Siedlungsschwerpunkt liegt daher in Fettwiesen, insbesondere in zweischürigen Streuobstwiesen der Hanglagen des Hügellandes und der Mittelgebirgsvorländer sowie auf den Hochwasserdämmen der Oberrheinebene; auch in warmen Gebüsch- und Waldsäumen.

Wiese mit Zaunwicke

Ein Bestand der Zaunwicke (Vicia sepium) auf einer Wiese im Mittleren Albvorland bei Göppingen, charakteristischer Lebensraum der Mai-Langhornbiene. Die Zaunwicke als wichtigste Pollenquelle der Mai-Langhornbiene verträgt häufiges Mähen nicht. Mit ihrem Verschwinden erlöscht auch der lokale Bestand der Langhornbiene. Wiesen, die noch eine Funktion als Lebensraum dieser Wildbienenart haben sollen, dürfen nicht mehr als zweimal im Jahr gemäht werden, wobei der erste Mahdtermin nicht vor Mitte Juni liegen sollte. Leicht kann dieser Schmetterlingsblütler auch im Garten angesiedelt werden. Er lockt dann die Mai-Langhornbiene und ihre Kuckucksbiene sogar in den eigenen Garten, wie ich das seit vielen Jahren bei mir beobachte. Geeignete Nistplätze suchen sich die Weibchen selbst.

Nistweise

Nester an schütter bis dichter bewachsenen Stellen meist mehr oder weniger geneigter Flächen. Besiedelt sowohl Sandboden (Flugsand, Schwemmsande, Verwitterungssande, Molasse) als auch lehmige Böden (Lößlehm, Lehmböden mittleren Tongehalts). Die Nester werden in selbstgegrabenen Hohlräumen in der Erde angelegt und sind nicht leicht zu finden. Der Gang wie die Zellen sind innen mit Sekreten ausgekleidet, die auch in die Zellwände eindringen und sie festigen.

Tafel aus Friese Die europäischen Bienen

Nest der im Juni und Juli fliegenden, nahverwandten Art Eucera longicornis (= Eucera difficilis) mit Männchen (rechts oben) und Weibchen (links unten).
Teil einer Tafel aus dem Werk von H. Friese, Die europäischen Bienen. Weitere Tafeln aus diesem Buch finden sich im Kapitel Lebensweise.


Blütenbesuch

Oligolektische, auf Fabaceae (Schmetterlingsblütler) spezialisierte Art. Hauptpollenquelle in Mitteleuropa ist die Zaunwicke (Vicia sepium).

Weitere Pollenquellen:

  • Vogel-Wicke (Vicia cracca)
  • Wiesen-Platterbse (Lathyrus pratensis)
  • Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus)
  • Roter Wiesenklee (Trifolium pratense)
  • Weißklee (Trifolium repens)
  • Wundklee (Anthyllis vulneraria)
  • Luzerne (Medicago sativa).

Die Männchen patrouillieren bevorzugt an den Blütenständen der Frühlings-Platterbse und der Zaun-Wicke sowie anderen Fabaceen. Vereinzelt werden auch Vertreter anderer Pflanzenfamilien als Nektarquelle genutzt.

Ein Männchen trinkt Nektar an der Zaun-Wicke (Vicia sepium).

Ein Weibchen sammelt Pollen am Rotklee (Trifolium pratense).

Ein frisch geschlüpftes Männchen, kenntlich an seinem rostbraunen Pelz, trinkt im Botanischen Garten der Universität Tübingen Nektar am Haarigen Ginster (Cytisus villosus).

Ein frisch geschlüpftes Weibchen im Flug von hinten betrachtet. Beachte die typischen Haarbinden auf den letzten Tergiten (Rückensegmenten des Hinterleibs).

video Das folgende Video (4:47 min, 81 MB) zeigt sowohl Eucera nigrescens als auch die nahverwandte Art Eucera longicornis. Das Video startet mit Eucera nigrescens und zwar mit einem noch recht frischen Männchen; dann folgt ein schon ausgebleichtes Männchen mit grauer Thoraxbehaarung. Dann ist ein Weibchen zu sehen, das zunächst an der Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus), danach an der Zaunwicke (Vicia sepium) Pollen sammelt. Zwischendurch sind Bestände der Zaunwicke auf einer Streuobstwiese zu sehen und ein Weibchen, das auf einem Blatt sitzend seinen langen Rüssel immer wieder ausfährt. Es folgt ein frisch geschlüpftes Männchen von Eucera longicornis an Hippocrepis comosa und danach das Weibchen beim Nektartrinken an der gleichen Pflanzenart. Die Aufnahmen von Eucera nigrescens stammen von Tübingen, die von Eucera longicornis aus dem Wallis.


Kuckucksbienen


Nomada sexfasciata Weibchen

Die Wespenbienenart Nomada sexfasciata ist regelmäßig im Lebensraum der Langhornbiene zu beobachten.


Phänologie

Univoltin. Fliegt von Mitte April bis Mitte Juni. Die Art zeigt eine ausgesprochene Proterandrie, d. h. die Männchen erscheinen 3–4 Wochen vor den Weibchen, manchmal schon in der ersten April-Woche.

Gefährdung und Schutz

Durch gezielte Suche an Beständen der Zaunwicke kann die Art auch heute noch regelmäßig nachgewiesen werden. Daher erscheint sie derzeit noch nicht gefährdet. In vielen Fällen handelt es sich bei den Fundstellen aber um Reste historisch gewachsener Kulturlandschaften. Da zumindest in Süddeutschland ein Siedlungsschwerpunkt in den Streuobstwiesen der Mittelgebirgsvorländer liegt, ist die Art langfristig durch Änderungen der althergebrachten Nutzung gefährdet. Hierzu zählen insbesondere die häufigere Mahd (z. B. durch Rasenmäher!), die Umstellung auf Beweidung und erst recht der Wiesenumbruch. Zur Erhaltung dieser Langhornbiene ist daher eine Fortführung der zweischürigen Wiesennutzung besonders empfehlenswert. Wo die Art in warmen, nährstoffreichen Wald- und Gebüschsäumen fliegt, erleidet sie durch Aufforstungen und Bewirtschaftung bis an den Gehölzrand Bestandseinbrüche.

In der nachfolgenden Galerie finden Sie weitere Fotos von Eucera nigrescens sowie zum Vergleich ein Männchen von Eucera longicornis. (Starten der Großansichten durch einen Klick auf ein Vorschaubild.)

  • Eucera nigrescens Weibchen
  • Eucera nigrescens Paarung
  • Eucera nigrescens Paarung
  • Eucera nigrescens Paarung
  • Eucera nigrescens Männchen
  • Eucera nigrescens Männchen
  • Eucera nigrescens Männchen
  • Eucera nigrescens Männchen
  • Eucera nigrescens Männchen
  • Eucera nigrescens Männchen
  • Eucera nigrescens Weibchen
  • Eucera nigrescens Weibchen
  • Eucera nigrescens Weibchen
  • Eucera nigrescens Weibchen
  • Eucera nigrescens Weibchen
  • Eucera nigrescens Weibchen
  • Eucera nigrescens Weibchen
  • Eucera longicornis Männchen
  • Eucera nigrescens Weibchen
    Dieses Weibchen ist soeben aus dem vorjährigen Nest im lehmigen Erdboden geschlüpft. [D, Tübingen, 23. April 1993].
  • Eucera nigrescens Paarung
    Hier haben Männchen solange am vorjährigen Nistplatz patrouilliert, bis ein Weibchen geschlüpft ist, mit dem sich eines der Männchen sofort verpaart. [D, Tübingen, 23. April 1993].
  • Eucera nigrescens Paarung
    Beachte die Unterschiede in der Länge der Antennen bei Weibchen und Männchen!
  • Eucera nigrescens Paarung
    Ein weiteres Männchen versucht vergeblich, sich ebenfalls mit dem Weibchen zu paaren. Wenn viele Männchen am Nistplatz schwärmen, kommt es vor, daß sich Dutzende von ihnen auf ein ein soeben geschlüpftes Weibchen stürzen, doch nur mit einem von ihnen kommt es zur Paarung. [D, Tübingen, 23. April 1993].
  • Eucera nigrescens Männchen
    Blütenbesuch an Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus). [D, Wankheim, 21. April 2009]
  • Eucera nigrescens Männchen
    Blütenbesuch an Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus). [D, Wankheim, 25. April 2009]
  • Eucera nigrescens Männchen
    Blütenbesuch an Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus). [D, Wankheim, 25. April 2009]
  • Eucera nigrescens Männchen
    Blütenbesuch an Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus). [D, Wankheim, 25. April 2009]
  • Eucera nigrescens Männchen
    Abflug nach einem Blütenbesuch an Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus). Beachte: Der Rüssel steckt noch ein wenig in der Kronröhre. [D, Wankheim, 25. April 2009]
  • Eucera nigrescens Männchen
    Blütenbesuch an Zaunwicke (Vicia sepium). Die Behaarung dieses Männchens ist durch das Sonnenlicht schon etwas ausgebleibt. [D, Wankheim, 19. Mai 2006]
  • Eucera nigrescens Weibchen
    Pollensammeln an Zaunwicke (Vicia sepium)
  • Eucera nigrescens Weibchen
    Pollensammeln an Zaunwicke (Vicia sepium). Beachte die charakteristischen Haarbinden auf den Hinterleibssegmenten. [D, Nordheim, 10. Mai 2008]
  • Eucera nigrescens Weibchen
    Pollensammeln an Zaunwicke (Vicia sepium). [D, Nordheim, 10. Mai 2008]
  • Eucera nigrescens Weibchen
    Pollensammeln an Zaunwicke (Vicia sepium). Beachte die mächtige Pollenladung an Schiene und Ferse. [D, Nordheim, 10. Mai 2008]
  • Eucera nigrescens Weibchen
    Pollensammeln an Zaunwicke (Vicia sepium). [D, Nordheim, 10. Mai 2008]
  • Eucera nigrescens Weibchen
    Pollensammeln an Zaunwicke (Vicia sepium). [D, Nordheim, 10. Mai 2008]
  • Eucera nigrescens Weibchen
    Pollensammeln an Zaunwicke (Vicia sepium). [D, Nordheim, 10. Mai 2008]
  • Eucera longicornis Männchen
    Blütenbesuch an Wiesen-Platterbse (Lathyrus pratensis). Beachte: Im Feld sind die Männchen im Habitus nicht von Eucera nigrescens und Eucera interrupta zu unterscheiden. Lediglich die spätere Flugzeit gibt Hinweise auf die Artzugehörigkeit. [D, Oberrotweil, 22. Mai 1995]