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Verbesserung der Nistmöglichkeiten -4-
Nisthilfen für Steilwandbewohner

Tagliamento - Uferabbruch

Die Steilwandbewohner lebten ursprünglich in den Auen der Wildflüsse. Dort nisteten sie in Uferabbrüchen wie wir sie heute noch z.B. am Tagliamento in Norditalien, dem letzten Wildfluß Mitteleuropas (oben) finden. Typische Beispiele sind die Vierbindige Furchenbiene (Halictus quadricinctus), die Blauschillernde Sandbiene (Andrena agilissima) und die Schmalbienen-Art Lasioglossum quadrinotatulum. Als Ersatzlebensräume werden in der Kulturlandschaft auch Hohlwege mit sonnenbeschienenen Steilwänden, Weinberge mit Lößwänden oder aufgelassene Sand- und Lehmgruben besiedelt. Für solchermaßen spezialisierte Arten haben die Nistgelegenheiten in den letzten Jahrzehnten enorm abgenommen. Einige Arten wie die Frühlings-Pelzbiene (Anthophora plumipes), die Vierfleck-Pelzbiene (Anthophora quadrimaculata), die Buckel-Seidenbiene (Colletes daviesanus) und die Lamellen-Maskenbiene (Hylaeus hyalinatus) sind vor langer Zeit in die Siedlungen eingewandert, um hier ihre Nester in Gemäuern, die mit Kalkmörtel verfugt wurden, zu bauen. Aber auch diese Nistplätze haben durch moderne Bauweisen und die Verwendung von Zementmörtel rapide abgenommen. Ein adäquater Ersatz ist innerhalb der Siedlungen kaum zu schaffen, aber zumindest im Kleinen ist etwas machbar.

Künstliche Steilwand aus Löß

Künstliche Lößwand ím Garten des Autors.

Vorgehensweise: Ein asbestfreier Eternit-Blumenkasten (»Zementfaserkasten«) von etwa 60 cm Länge, 15 cm Breite und mindestens 15 cm Tiefe (ersatzweise tut es auch ein entsprechend großer Kasten aus massivem Holz) wird vollständig mit Löß (!) möglichst in seiner natürlichen Sedimentstruktur gefüllt. Am besten ist es, ganze Stücke dieses Lockergesteins in der für den Blumenkasten passenden Größe mit einem Spaten abzustechen und einzusetzen. In die Zwischenräume wird feuchtes Material gedrückt. Man sollte bevorzugt deshalb anstehenden Löß wählen, weil die Sedimentstruktur viel leichter durch Regen gelöst und weggespült wird, wenn sie einmal zerstört ist. Es versteht sich von selbst, daß sich die Entnahme von Löß nur dort empfiehlt, wo er natürlicherweise im Überfluß vorhanden ist und wo kein wertvoller Lebensraum beeinträchtigt wird. In das Sediment werden mit einem Bohrer mehrere kurze Gänge von 5-8 mm Durchmesser geschaffen. Diese sind nicht für Hohlraumbesiedler gedacht, auch wenn sie von ihnen gelegentlich genutzt werden. Die dunklen Löcher üben eine magische Anziehungskraft auf grabende Wildbienen-Arten aus. Diese sollen nämlich angelockt werden, hineinkriechen und am Ende mit dem Graben ihres eigenen Nestganges beginnen. Fünf solcher Kästen übereinandergestapelt ergeben mit ihren lößgefüllten Seiten als Front eine Mini-Steilwand, die an einer südexponierten Stelle der Hauswand oder der Gartenmauer aufgestellt wird (das obere Bild zeigt meine eigene Steilwand). Zum Schutz gegen Regen wird sie von oben zusätzlich mit einem Brett oder einer durchsichtigen Acrylglasplatte abgedeckt. Notfalls kann man auch stabile Holzkästen entsprechender Größe verwenden, die jedoch im Gegensatz zu den Eternitkästen viel schneller verrotten, es sei denn, man stellt sie regensicher auf.

Lasioglossum nitidulum

Eine in meinen »Steilwänden« regelmäßig nistende Art ist die grün-metallisch schimmernde Schmalbienen-Art Lasioglossum nitidulum, die auch gerne Mörtelfugen in Mauern besiedelt

Anthophora quadripunctata Männchen

Auch die Vierfleck-Pelzbiene (Anthophora quadripunctata) nistet seit vielen Jahren in meiner künstlichen Lößwand auf der Südseite des Hauses. Das Bild zeigt ein Männchen mit seinen charakteristisch grünen Komplexaugen.

Colletes daviesanus

Seit vielen Jahren nistet auch die Buckel-Seidenbiene (Colletes daviesanus), hier ein Männchen, in meiner kleinen Lößwand.

Anthophora plumipes

Ein Weibchen der Frühlings-Pelzbiene (Anthophora plumipes) vor dem Nest.

Ton oder fetter Lehm, Materialien, die auf manchen Websites und in manchen Schriften für den Bau einer künstlichen Steilwand empfohlen werden, sind auf keinen Fall geeignet, da sie zum Graben von Nestgängen nach dem Trocknen viel zu hart sind.

Ein geeignetes Substrat hingegen läßt sich mit dem Fingernagel leicht abschaben (testen!). Weidenruten-Lehmwände, die ebenfalls viel zu hart werden, sind demnach zur Ansiedlung oder Förderung grabender Bienenarten (und anderer Stechimmen dieser Gilde) ohne jede Bedeutung.

video Das folgende kurze Video (15 MB) zeigt ein Weibchen der Buckel-Seidenbiene (Colletes daviesanus), das mit viel gesammeltem Pollen vor seinem Nest landet, das es in meiner Lößwand angelegt hat.

Charakteristische Besiedler


Außerhalb des Siedlungsbereichs gibt es eine ganze Reihe weiterer, teils sehr seltener Arten, die an Steilwände als Nistplatz gebunden sind. In den Gärten sind am ehesten anzutreffen:

  • Anthophora plumipes (Frühlings-Pelzbiene) [ Steckbrief ]
  • Anthophora quadrimaculata (Vierfleck-Pelzbiene)
  • Colletes daviesanus (Buckel-Seidenbiene)
  • Colletes similis (Rainfarn-Seidenbiene) (selten)
  • Lasioglossum nitidulum (Schmalbienen-Art)
  • Melecta albifrons (Braune Trauerbiene) - Kuckucksbiene bei A. plumipes [ Steckbrief ]
  • Thyreus orbatus (Fleckenbiene) - sehr seltene Kuckucksbiene bei A. quadrimaculata

Unter den solitären Faltenwespen nimmt Odynerus spinipes das Steilwandangebot gerne an.

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